Laden im Wandel

Konzept des „Laden im Wandel“ der Bürgerinitiative Landshut im Wandel e.V.

(1) Die Transition Town Bewegung

Die Transition Town Bewegung beschäftigt sich damit wie Städte und Gemeinden nachhaltiger wirtschaften und leben können. Ziel dabei ist es nicht nur die Umwelt zu schützen und Ressourcen zu sparen, sondern auch unabhängiger von fossilen Brennstoffen zu werden. Die Bewegung möchte den Erhalt und das Gedeihen unseres Gemeinwesens, die Widerstandsfähigkeit und die lokale Autonomie von Gemeinden stärken. Dies soll passieren durch Handlungen, die aus der Basis der Gesellschaft kommen.

Die Bewegung entwickelte sich 2006 in England und verbreitete sich auf allen Kontinenten. Besondere Merkmale der Bewegung sind die Praxisorientierung, die Dezentralisierung und die Vernetzung.

Die Zahl der eingetragenen Initiativen beträgt heute gut 1200. Genauere Informationen können unter der Internetseite http://www.transitionnetwork.org eingeholt werden. Die deutschsprachige Seite trägt den Namen http://www.transition-initiativen.de.

(2) Der Landshut im Wandel e.V.

Der Verein Landshut im Wandel e.V. sieht sich selbst als offenes Gefüge von Bürgern, in welchem man auch ohne Vereinszugehörigkeit mitwirken kann. Daher wird häufig eher das Wort „Initiative“ gewählt, da dieses die Offenheit und Aktivität des Vereines besser beschreiben kann.

Die offizielle Gründung des Vereines, sowie die darauf folgende Eintragung ins Vereinsregister fanden im Sommer 2014 statt.

Bei der Jahreshauptversammlung am 24.07.2025 wurde die Auflösung des Landshut im Wandel e.V. beschlossen.

(3) Umsonstladen Landshut

Die Idee eines Umsonstladens basiert auf dem Ansatz, dass es für die Umwelt, für unsere Gesellschaft, unsere Mitmenschen und für uns selbst besser sei unseren Konsum anders zu leben als momentan.

So soll es in einem Umsonstladen möglich sein, Dinge, die man selbst nichtmehr nutzt, anderen zur Verfügung zu stellen, die diese weiterhin verwenden wollen. Zu diesen Dingen gehören beispielsweise Kleidung, Bücher, Haushalts- oder Elektrogeräte, sofern diese funktionstüchtig sind, und andere Gebrauchsgegenstände.

Geplant ist außerdem ein Fair Teiler (http://www.foodsharing.de), ein Kühlschrank in den nicht mehr benötigte Lebensmittel hineingelegt werden können, um sie so anderen Menschen zugänglich zu machen.

Nutzen für die Umwelt:
Dieser veränderte Denkansatz kann sich auf den Schutz unserer Umwelt positiv auswirken, da es zu einem eingeschränkten Kauf von neuen Waren kommt. Die Herstellung aller Waren bedarf einer Produktion, die einen hohen Verbrauch an Energie und Rohstoffen voraussetzt. Der sparsame Umgang damit wird immer wichtiger. Gebrauchte Waren zu tauschen, zu leihen oder zu verschenken kann Ressourcen sparen. So soll es die Natur des Menschen sein, zu nehmen, was er braucht, und den Rest für seine Umwelt zu lassen.

Nutzen für die Gesellschaft:
Benötigte Waren werden meist über Läden, Händler oder Internetshops bezogen. Eine Kultur des Schenken unter Leuten, die einander nicht kennen, existiert kaum. In Onlineportalen oder Umsonstläden werden erste Ansätze gegen diesen Missstand eingeleitet. So machen Menschen hier die Erfahrung, dass sie ihre Bedürfnisse nicht nur über Geld befriedigen können, sondern es auch Alternativen dazu gibt.
Das Vertrauen zu fassen, in einer Gruppe zu leben, die den Einzelnen schützt und unterstützt, ist eine wichtige und heilsame Erfahrung für uns Menschen und kann dazu führen viele soziale Probleme zu lösen. Die Gesellschaft kann hierdurch weicher und vertrauensvoller werden. Menschen, die einander vertrauen, sind dazu in der Lage sich gemeinschaftlich zu verhalten und Probleme gemeinsam schneller und effizienter zu lösen. Ihnen fällt es leichter aufeinander zuzugehen und sie sind körperlich und geistig gesünder.

Nutzen für unsere Mitmenschen:
Auch in wohlhabenden Ländern wie Deutschland sind viele Menschen von Existenzängsten geplagt. Ein Umsonstladen kann dazu beitragen, dass sozial schwachen Menschen eine Entlastung wiederfahren kann, indem sie Gebrauchsgüter erhalten ohne einen finanziellen Gegenwert erbringen zu müssen.
Beschenkt zu werden kann außerdem helfen die Angst vor dem Besitzlossein zu lindern und daran zu erinnern, dass nicht das Besitzen sondern das Benutzen von Dingen notwendig ist. Dies kann uns von der starken Konzentration auf materiellen Wohlstand entlasten. Wir können die emotionale und die tatsächliche Unabhängigkeit von wirtschaftlichen Flüssen wiedererlangen.
So wird eine Definition der Persönlichkeit über den Besitz bestimmter Waren oder Geldes oder sogar das Anhäufen dessen, als schädlich für das Wohl der Menschen und als Hauptursache für Armut erachtet.

Nutzen für uns selbst:
Gegenstände anzuhäufen wird in der Gesellschaft zusehends als Belastung betrachtet. Minimalismus und andere ähnliche Lebensformen finden immer stärkeren Anklang. Nicht nur ist es für viele Menschen räumlich immer schwieriger dem Platzbedarf der sich stapelnden Güter gerecht zu werden, auch ist es oft zeitlich nicht mehr möglich entsprechende Gegenstände überhaupt zu benutzen oder zu pflegen. Auch der finanzielle Aufwand zum Erhalt, zur Lagerung und letztendlich zur Neuanschaffung der vielen Güter ist oft zu groß. Ein Entrümpeln ist für viele eine Möglichkeit sich freizumachen und Lebensraum, Lebenszeit und Lebensqualität zurückzugewinnen.

(4) Kritik am kapitalistischen System

Das Wirtschaftssystem, wie wir es heute kennen, hat zuweilen mit Krisen auf verschiedenen Ebenen zu kämpfen und stellt sich immer mehr als instabil heraus. Es kann aus verschiedenen Sichtweisen kritisiert werden. Ein Umsonstladen bildet keinen Ersatz zu dem System, in dem wir leben. Aber er bildet eine Alternative dazu und kann auf Verbesserungen, die nötig sind, hinweisen.

Ungerechte Verteilung von Gewinn:
Der Zusammenschluss von Mitarbeitern zu einem Unternehmen und die Zusammenführung deren vielfältiger Qualifikationen hat einen hohen Gewinn zur Folge. Die Erwirtschaftung dieses Gewinnes sollte jedoch nicht nur einer bestimmten Personengruppe zu Gute kommen. Für Firmen sollte es in Zukunft selbstverständlich sein sich an den Bedürfnissen der Gesellschaft zu orientieren, da diese die Basis ihrer Wertschöpfung bildet.

Ausbeutung von Menschen und der Umwelt:
Entscheidungen, die das Unternehmen betreffen, werden meist von oben getroffen. Ferner sind Unternehmen häufig durch den Druck des Wettbewerbs darauf angewiesen möglichst billig und effizient zu produzieren. Dies führt meistens zum Auslagern von Produktion ins Ausland oder zum Import von Gütern. Hier wird leider fast immer auf Kosten der entsprechenden Exportländer gewirtschaftet. Mensch und Natur werden ausgebeutet und Menschenrechte verletzt. Die Distanz zwischen Produzent und Konsument macht es schwer sich dieser Ungerechtigkeiten bewusst zu werden. In lokalen Unternehmen kann dies vermieden werden.

Unnötige Verschwendung von Ressourcen:
Um den Kapitalzufluss einer Firma aufrechtzuerhalten, werden Produkte meist unter dem Anspruch gefertigt nur eine bestimmte Lebensdauer zu erreichen. Dies stärkt das Wirtschaftswachstum, sichert Arbeitsplätze und sorgt für die Sicherung der Zukunft des Unternehmens. Leider geht es gleichzeitig zu Lasten der Umwelt, da ein unnötiger Verbrauch von Ressourcen entsteht. Doch auch bereits während der Produktion oder dem Handel wird oft mehr Energie in Anspruch genommen, als erforderlich wäre. Nachhaltige Unternehmen setzen auf eine lange Lebensdauer ihrer Produkte und auf eine hohe Qualität.

Weitere Ausführungen lassen sich  beispielsweise unter http://postwachstumsoekonomie.org finden.

(5) Nebennutzung der Ladenräume

Die Betreuung einer Ladenfläche, der Einsatz von ehrenamtlichen Helfern, der finanzielle Aufwand und die Organisation dessen bieten eine Vielfalt an Möglichkeiten einen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten. Es bietet sich an in einem Laden, der es von den Räumlichkeiten her erlaubt, auch andere Projekte zu realisieren. Hierbei geht es um Wünsche und Ideen der Bürger. Das Angebot an Kursen, Veranstaltungen oder Projekten soll kostenlos sein.

Die folgende Auflistung enthält lediglich Anregungen. Das tatsächliche Angebot wird sich im Laufe des Projektes ergeben:

  • Kurse für Kinder, z.B. Hausaufgabenbetreuung
  • Flüchtlingsarbeit, Integration
  • Kunst und Kultur
  • Yoga und Spiritualität
  • Reskilling (Wiedererlangen von Fähigkeiten)
  • Offene Diskussionsabende
  • Filmabende
  • Küche für alle (KüFA)
  • Kleidertauschparties
  • Projekte zum Thema Urban Gardening
  • Recycling
(8)Fördermöglichkeiten

Da die Transition Town Initiative keine Einnahmen hat, muss die Finanzierung über Dritte gelöst werden.

Hauptsächlich wird das Projekt von einem flexiblen Kreis an privaten Förderern getragen werden. Diese können durch einen Beitrag von mindestens fünf Euro monatlich als Unterstützer wirken.

Auch können sich Firmen, Restaurants und Läden aus der Landshuter Umgebung mit Spenden beteiligen, sofern deren Leitlinien mit denen der Transition Town Initiative vereinbar sind.

Ferner ist eine Spendenkasse im Laden geplant, mit welcher man auch ohne Angabe von Daten und direkt einen Beitrag zur Ladenmiete tätigen kann.

Transition Town Initiative